Adolar - Zu Den Takten Des Programms. Reviews

Pretty Noise (02/2012)

Adolar, eine Band, die durch einen Sound bekannt geworden ist, den es bis dahin so in der deutschen Musiklandschaft noch nicht gab. "Zu den Takten des Programms" ist der Nachfolger des Debütalbums "Schwörende Seen, Ihr Schicksalsjahre" und sie werden auch mit diesem Album ihrem Ruf gerecht. 

Ein Album das ein eigentliches Durcheinander darstellt, aber dennoch einen Roten Faden aufweist. Allerdings geht der 10-Song-Player nicht so einfach ins Ohr, wie der Vorgänger und hat auch ein wenig seinen harten Kern abgelegt. Ich brauchte einige Zeit um dieses Album schätzen zu lernen. "Tanzenkotzen" ist der erste Track des Albums, der sofort gute Laune verbreitet und Lust auf mehr macht. Aber schnell merkt man, dass dieses Album anders ist. Wie das bei den vier Leipzigern üblich ist, lassen sie den Hörer inhaltlich ein wenig im dunklen stehen, lassen aber gleichzeitig Interpretationsspielraum und sorgen damit für eine Angenehme Verwirrung. So vor allem in "Kleinigkeiten im ersten Stock". Ein Song, der mehr eine gesprochene Geschichte darstellt und somit erst mal für Verwunderung sorgt, erzählt eine Geschichte von einem Paar. Eine Mischung aus kompletter Ironie und sanfter Melodie sorgen für vollkommene Konfusion.

Eine weitere Besonderheit bietet "Ungelenk und Einstudiert". Ein ungewohnt sehr poppiges Stück handelt von schlechten und leidenschaftslosen Djs die einem in viel zu vielen Discos begegnen. Im Refrain überrascht eine zusätzliche weibliche Stimme was den "[...]härtesten Song den wir je geschrieben haben[...]" das gewisse etwas verleiht."Wein ist meine Jacke" ist der letzte und gleichzeitig mit Abstand längste Song des Albums. Stolze 8 Minuten und 2 Sekunden ist er lang und hinterlässt zum Abschluss  nachdenkliche und zerwuselte Eindrücke. Augenfällig wird bewusst, der an sich schon sehr kurze Text, bereits in den ersten 3 Minuten gesungen wird und grob von einer enttäuschten Liebe erzählt. Was genau passiert ist und bleibt dabei dem Hörer selbst überlassen.

Die restlichen Minuten kommen einem endlos vor und obwohl es sich eigentlich nach nicht mehr als ein paar wirren Gitarrenriffs anhört, ist es doch irgendwie ein faszinierendes Lied. Dieses Album ist durchaus ein würdiger Nachfolger des Debütalbums. Dennoch ist es anders und hat leider ein bisschen zu viel von ihrer harten Schale abgeworfen. Da gefällt mir "Schwörende Seen, Ihr Schicksalsjahre" noch einen kleinen Ticken besser. Obwohl es Musik ist, die sicherlich keine leichte Kost ist, erhält diese Scheibe meine absolute Kaufempfehlung.

Visions Magazine (01/2012 - Album Des Jahres, Top 14)

Natürlich hätte Tom Mischok auch schreien können: "Deine Unterhose hat Bremsspuren!" und damit den Mittelfeld-Punk meinen können, an dem Adolar zielsicher vorbeistürmen. Stattdessen lassen Adolar den Hörer zu einer allwissenden Fliege mutieren, die Kleinlichkeiten Im Ersten Stock so hautnah erlebt. als würde sie gerade vorbeifliegen. Zu Den Takten Des Programms macht das zu einem Meisterwerk der Perspektive. Post-Teenage-Angst aus Leipziger Hörsälen ist dabei nur eine Facette des beklemmenden Universalcore, der die Zielgruppentreue U20 nur versehentlich einhält. Adolar wirken zu ihren eigenen Takten so zeilensicher und echt, dass es schmerzt wie ein virtuos geschriebener Trennungsbrief. Echt ist aber nicht nur die Alltags-Mikroskopie von Sänger und Bassist Tom Mischok, sondern auch die Mühe, die Adolar in die Musik ihres zweiten Albums investieren. Gitarrenriffs und Melodien bieten stets etwas mehr als sie eigentlich müssten - zuhören ist das vor allem in der großen Single Tanzenkotzen. Bester Moment: Wenn einem klar wird, dass diese Platte von den arroganten DJs dieser Welt nur ein Häufchen Asche überlässt. Martin Iordanidis

 

This Borderline Fuckup ... Blog (01/2012 - Best Of 2011)

Adolar stehen auch 2011 für sich. Derart unterhaltsam verwurstet derzeit keiner lapidare Alltagsgeschichten und schafft es dabei so gut seine Kritik unter einer dicken Schicht Sarkasmus zu verstecken. Rein musikalisch punkten die Jungs abermals durch Vielfalt. Neben dem poppigen Radiohit steht der ungestüme, fast schon noisige Brocken. Auf den verwinkelten Postcore-Brecher folgt die reduzierte Ballade und irgendwo dazwischen findet auch noch eine seltsamer spoken word-Track seinen Platz. Dass man persönlich nicht mit allen Nummern klar kommt, ist vollkommen logisch ? der Band muss man allerdings ein Lob für ihren Mut aussprechen! Alessandro

 

Intro Magazine (01/2012 - Song des Jahres)

Tanzenkotzen von Linus Volkmann, stellv. Chefredakteur.

 

Indiestreber Blog (01/2012 - Album und Video Des Jahres 2011)

Manchmal Regelmäßig bin ich ein kleiner Misanthrop. Dann hasse ich alles und jeden, die Welt ist einfach nicht mein Freund. Adolar scheint es genauso zu gehen. Sie aber gießen ihren Hass auf die Welt in Musik. In wütende Punksongs mit ziemlich intelligenten Texten. (Jonas hat auch über dieses Album eine Rezi geschrieben). Matze

Auch wenn sie es nicht in meine Alben-Top 10 geschafft haben: Wenn es um deutschsprachige Musik geht, dann lagen Adolar im vergangenen Jahr ganz vorne bei mir. Besonders ?Tanzenkotzen?, die wohl gelungste Hymne über das Dagegensein seit langem. Jonas

 

 

freTraum Blog (01/2012 - Jahresrückblick 2011)

- Nachdem Schwörende Seen schon erstaunlich viel wollte, will Zu den Takten des Programms nun die Weltherrschaft. Diese Band macht riesige Sprünge und scheint an kreativem Output und Tourdrang zuweilen regelrecht zu ersticken. Adolar zeigen sich auf ihrer neuen Platte gewohnt zynisch, sympathisch intellektuell und mit überraschend viel musikalischem Feingefühl. Da sitzt die ironische AutoTune-Pop-Song-Parodie direkt neben einem wild gewordenen Lo-Fi-Massaker. "Band für's Jetzt" habe ich irgendwo gelesen, und passender könnte man es nicht treffen.


Vice Magazine (11/2011)

In den letzen Monaten haben sich zahlreiche deutsche Rockbands am Seiltanz über der Schlucht gefühlsduseliger Peinlichkeit probiert. Meistens sind sie nach wenigen Schritten abgeschmiert. Wir hatten es uns derweil am Rande des Abgrunds gemütlich gemacht, ein paar Bier getrunken und Haltungsnoten verteilt. Und während wir so da saßen und kicherten, tippten uns plötzlich diese vier Sachsen auf die Schultern. Instinktiv fuhren wir sie an: "Warum seid ihr nicht auf dem verdammten Seil?" Und sie erwiderten verdutzt: "Welches Seil? Wir sind mit dem Hubschrauber da." Das ist natürlich auch eine Möglichkeit. Heiner Schröbbels

Intro (11/2011)

Jammer-Ossis ? komplett positiv gemeint! Die Band Adolar zelebriert die große Kunst der Beschwerde in Post-Hardcore-Hits.

Textlich so pointiert und musikalisch so mitreißend wie Adolar hat sich in 2011 fast keine zweite deutsche Band an der Kunst der Beschwerde, der Ablehnung der Umstände und der Anklage der eigenen Situation abgearbeitet. Aus einem zunächst etwas wirren Stilmix aus fast fröhlichem Pop, hektischem Hardcore und dem klassischen "Knüppelpart" schälen sich im zweiten Durchlauf zahlreiche Anti-Partykracher heraus, über die Sänger Tom Sätze wie "Ich wünschte, ich müsste keinen meiner alten Freunde jemals wieder sehen" singt bzw. schreit. Schlechte Laune in ihrer schönsten Form, ruhig auch mal gegen überwunden geglaubte Feinde wie DJs, aber nie zum reinen Selbstzweck. Damit passt die Band so perfekt zu ihrem Kölner Ausnahmelabel Unterm Durchschnitt, dass man sich eigentlich gar keine andere Kombination vorstellen kann. Ein in jeder Sekunde der 42 Minuten Spielzeit aufregendes Stück Post-Hardcore voller Energie, sanften Boshaftigkeiten und Beschwerden. In drei Worten: POST-HC / BESCHWERDEN / ANTI-PARTY Benjamin Walter

Stageload (11/2011)

Der Alltag kann ja bekanntlich ziemlich nervig sein. Nun gibt es aber diese Bands, denen man nachsagt, genau diesen zu vertonen und in ein ganz neues, viel interessanteres Gewand zu hüllen. Adolar sind eine dieser Bands. Nur ihre Musik, die ist so gar nicht alltäglich. Säuselnde Gitarren, langsame, verspielte Parts, zuckersüßer Gesang ? und gerade dann, wenn dieses Gemisch kurz davor ist, in Langeweile zu versinken, sind da diese herrlichen Explosionen, die sich mit unglaublicher Wut entladen. An diesen Momenten kratzt man mit Nachhaltigkeit an den Grenzen des Screamogenres, definiert sich dabei aber eigenständig immer wieder neu. Egal ob die Füße zum Beat wippen, die Fäuste geballt in die Luft gerissen werden oder man sich melancholisch einfach nur treiben lässt ? der nächste Schritt ist immer eine faustdicke Überraschung. Adolar brechen gekonnt und immer wieder aufs Neue mit gängigen Klischees, spielen sich in Rage und lassen niemals Stillstand einkehren. "Zu den Takten des Programms" ist eine Achterbahnfahrt sondergleichen: Strotzend vor Energie, geradezu explodierend vor Ideen, getragen von großen Gefühlen geht es immer wieder kurz bergauf, um mit atemberaubender Geschwindigkeit gen Boden zu rasen. Referenzen oder gar Genres werden hier einfach nichtig, reichen sie doch nicht aus, um diesen explosiven Cocktail in Worte zu fassen, der mit dem fast achtminütigen "Wein ist meine Jacke" so intensiv endet, dass es erst einmal schwer erscheint, sich zu rühren.

Manch einer wirft da mit dem grausigen Schimpfwort Studentenrock um sich, der andere sieht darin die Rettung der deutschen Musikszene, was auch immer das bedeuten mag. Adolar selbst verstehen sich vor allem als eine Band, die einfach Spaß hat an dem was sie tut ? und das vermittelt sie auf "Zu den Takten des Programms" auf überwältigende Art und Weise. Sascha Schüler

Fuze (11/2011)

Zu den Takten des Programms ADOLAR haben es sich hart erarbeitet, dass "Zu den Takten des Programms" so sehnlichst erwartet wird. Irgendetwas weckte die Vermutung, dass da Großes kommt. Und? Beim ersten Hören scheint es nicht um Großes zu gehen. Es sind die einzelnen kleinen Momente, die ADOLAR zu etwas ganz Großem werden lassen können: Wenn man im C-Teil des Openers zum Headbangen aufsteht, wenn am Ende des Titelsongs der Kloß im Hals größer wird, wenn die Streicher in "Die ekelhaften Pläne" einen zum Schmunzeln bringen, wenn man den Refrain von "Zum Geburtstag alles Erdenkliche" mitsingen muss und während des Schleudergangs am Ende des Albums am ganzen Körper eine Gänsehaut bekommt. Nach einer Dreiviertelstunde fängt man an zu begreifen, warum Tom Mischok keine großen Worte benutzt. Es benötigt viel Aufmerksamkeit, um all die Kleinigkeiten zu entdecken, von denen hier die Rede ist. Kein großspuriges Album, sondern ein Kunstwerk über die Fähigkeit, das, was um einen herum passiert, ganz nahe an sich heranzulassen, sich daran zu erfreuen, daran zu leiden und sich darüber zu wundern. Die wahre Schönheit in ADOLARs Welt befindet sich nicht an der Oberfläche, sondern ist in den Details versteckt. ADOLAR wachsen mit jeder Veröffentlichung. Dieses Album wächst mit jedem Hören. Nils Wittrock

 

Borderline Fuckup (11/2011)

Reiß ein Paket auf, lehn dich zurück. Hol tief Luft und dann drückst du auf Play. Du hast das alles schonmal gehört. Es wird Zeit für?n Kaffee. Ihr hört euch Platten an und schreibt etwas auf. Wie treffend. Fehlt nur noch die Kippe zum Kaffee. Wie sinn- oder gehaltvoll "Schreib etwas auf" auch sein mag. Es ist schön, dass Adolar einen ganzen Song dem Alltag eines Musik-Schreiberlings gewidmet haben. Schön, dass sie die Geschichte mal umdrehen und es treffend auf den Punkt bringen: "die Interpretation sagt, was du drauf hast".

Zu viel sollte man in ihr neues Album nicht hineininterpretieren. Nicht nur bei erwähntem Song stellt sich die Frage des tieferen Sinns. Klar ist, dass Adolar die Musik und die Freude daran noch viel stärker in den Mittelpunkt stellen als beim Debüt. "Zu den Takten des Programms" bietet viele kleine Alltagsgeschichten, die in ironischer Art auf den Arm nehmen. Das fühlt sich dann sehr glaubwürdig an. Die Beziehungsgeschichten von "Schwörende Seen, ihr Schicksalsjahre!" waren cool. Doch sie passieren halt auch nicht im zweimonatlichen Takt. So schreibt man halt Stücke über eingebildete DJs, aufgesetzte Geburtstagsparties oder ein komisches Bekannten-Pärchen. Das ist dann lang nicht so poetisch und tiefgreifend wie bei Captain Planet. Und auch weit entfernt von der völligen Durchgeknalltheit von Antitainment. Aber irgendwo dazwischen treffen Adolar den richtigen Nerv. Sie sind jung, feiern gerne und machen sich dennoch Gedanken über unsere verkommene Gesellschaft. Dabei schleicht sich sowas wie ein roter Faden durchs Album. Denn wenn auch humorig, versteckt oder gar harmlos, ist fast jedes Lied ein Rant gegen? irgendwas. Zumeist gegen die komischen Gepflogenheiten der Menschen.

So richtig wahr nehmen tut man viele Texte erst nach mehreren Durchläufen. Denn wie gesagt: bei allem story-mäßigen Entertainment hat die Musik Priorität. Adolar haben sich in dieser Beziehung absolut gesteigert. Ich würde "Zu den Takten des Programms" zwar nicht als Revolution, sehr wohl aber als Evolution beschreiben. Die Stilistiken sind ähnlich wie beim ersten Langspieler. Alles klingt aber etwas professioneller, kompromissloser, abwechslungsreicher, ja besser ausgearbeitet. Risiko gehen Adolar immer noch ein. Und so steht neben einem radiotauglichen Pop-Song ("Ungelenk und Einstudiert") schon mal eine rumpelige Lärm-Nummer ("Leidzins to Kill"). Im Großen und Ganzen pflügt die Band den selben Acker wie zuvor. Moderner Disco-Indierock verbindet sich mit verdammt viel Pop-Appeal und mindestens genau so vielen alten, "truen" Einflüssen. Denn wie schon zuvor merkt man deutlich, dass Adolar alten 90er-Emo- und Post-Hardcore gerne mögen. Neuerdings sind die Keyboard-Sounds etwas präsenter, außerdem ist die gesamte Produktion ein Riesensprung im Vergleich zu "Schwörende Seen?".

Hits gibt es im Verlauf der 42 Minuten genug. Im Grunde jagt einer den nächsten. "Tanzenkotzen", das ich anfangs nur nett fand, entwickelt sich gerade zum Schluss hinaus zu einem dramatisch arrangierten Postcore-Brecher. "Schreib etwas auf" macht in ähnlicher Geschwindigkeit weiter und sorgt in diesem Doppelpack für einen klasse Platteneinstieg. Der darauffolgende Titelsong nimmt dann den Schwung etwas raus und wirkt deswegen am Anfang wie ein Störenfried. Später erkennt man aber auch die Stärke dieses Stücks, das auch über fünf Minuten hinweg funktioniert. "Die Ekelhaften Pläne", sowie "Tramedar" nehmen wieder Fahrt auf und führen einen zum schrägen spoken-word-Track "Kleinlichkeiten im Ersten Stock". Der einzige Durchhänger. Wenn man so will! Denn eigentlich steht dieser Track für sich alleine. Gut daran ist, dass er komprimiert ist auf vier Minuten und das Gelaber einen nicht über die gesamte Spielzeit weg verfolgt ? man höre Syn*Error?s "Verlustgeschäfte". Danach gibt sich das Album keine Blöße mehr. "Zum Geburtstag alles Erdenkliche" ist mein persönlicher Favorit, "Ungelenk und Einstudiert" ist DER Ohrwurm der Platte und auch "Leidzins to Kill" kann was. "Wein ist meine Jacke" ist dann der Klischee-Rausschmeißer. Episch, lang und irgendwie anders als das Zeug davor. Wenn der Song auch kein Liebling wird, passt er zum Schluss hinaus.

Die ganz große Explosion ist "Zu den Takten des Programms", nach dem eh schon starken ?Schwörende Seen?", vielleicht nocht nicht. In Sachen Professionalität und Eingängigkeit haben Adolar allerdings einen großen Sprung nach vorne gemacht. Die neue Scheibe wirkt besser ausgearbeitet und in sich geschlossen, nimmt dabei mindestens genau so viele Risiken wie sein Vorgänger. Und obwohl mir "Zu den Taktens des Programms" als Gesamtwerk richtig gut gefällt, lässt es sich auch wunderbar zu einzelnen Songs abfeiern. Adolar und ich haben wohl eines gemeinsam: wir haben die Erwartungen erfüllt! Alessandro

Éclat Magazine (11/2011)

Wer sich noch an das mittlerweile arg verstaubte StudiVZ erinnert, mag auch einmal über eine bestimmte Gruppe gestolpert sein: "Wenn ich alt bin, werde ich nur noch nörgeln." Okay ? dieser Logik zufolge haben sich Adolar entweder für ihr bereits hohes heimliches Alter erstaunlich gut gehalten, oder sie sind ziemlich frühreif. Denn genau jenes tun die vier Exilsachsener mit Vorliebe auf "Zu Den Takten Des Programms": Nörgeln, nörgeln, nörgeln.

Bereits in Ansätzen bekannt war dies ja bereits vom Vorgänger "Schwörende Seen, Ihr Schicksalsjahre!", auch die Vorabsingle "Tanzenkotzen" lieferte ihre ganz eigene Reaktion auf die Ausgehpflicht am Wochenende. Relevant war diese jedoch viel mehr dadurch, dass sie qualitativ hochwertigen Prog-Emo-Alternativerock, den man zuvor eigentlich nur aus Amerika und Schottland kannte, auf einmal auch nach Deutschland holte: Eine Stakkato-Eröffnung, 10000 Volt im Refrain und ein gnadenloser Moshpart am Ende. Die geschultesten Ohren musste man nicht haben, um dort sofort an Biffy Clyro zu denken. Dieser Eindruck wird im Laufe von "Zu Den Takten Des Programms" dann auch eher noch verstärkt, sei es durch Rhythmus und Falsettgesang in "Die Ekelhaften Pläne" oder das munter durch alle Tempi springende "Tramedar". Auch wenn das Vorbild oft noch zwei Schritte voraus ist ? erfreulich ist es dennoch, wie nah aufgerückt werden konnte.

Hieran kann es also nicht liegen, dass der Genuss des neuen Adolar-Albums manchmal regelrecht anstrengend ist ? sondern viel mehr am bereits erwähnten, häufig in Ironie verpackten und STÄNDIGEN Genörgele. "Schreib Etwas Auf" ? ja, das machen wir Musikjournalisten, es tut uns furchtbar Leid. "Die Ekelhaften Pläne" bestehen darin, niemanden der alten Freunde jemals wiedersehen zu wollen und "Ungelenk Und Einstudiert" wirken die DJs dieser Welt, die sich wie etwas Besseres vorkommen. Mensch Adolar ? das Glashaus! Die Steine! Denkt man jetzt noch darüber nach, dass dieser ungewöhnlich zahme und geradlinige Song auch noch die zweite Single des Albums ist, explodiert die Ironie-Detektor-Region des Gehirns. Wäre "Zu Den Takten Des Gehirns" auf Suaheli eingespielt worden ? es gefiele all jenen, die ihre jugendliche Trotzphase auch mal hinter sich gelassen haben, wohl weitaus besser. Ist es aber nicht. Musikjournalist #3617 ? schrieb etwas auf. Over and out. Kommt drüber weg, Jungs. Jan Martens

 

Rote Raupe Fanzine (10/2011)

Angefangen haben Adolar wie so viele andere Bands, die irgendwo aus der Provinz kommen. Auch als das erste Mal die Musikpresse auf die Band aufmerksam wurde, hätte man behaupten können, dass dieses Quartett eben nur eine Provinzband ist, die eine gute Single gemacht hat und dann mit den ganzen anderen Provinzbands wieder untergeht. Nach der ersten EP, kam dann das erste Album und schnell war klar, dass dem nicht so ist wie zuvor angenommen. Und nun ist seit einigen Tagen der zweite Langspieler der (mittlerweile) Nicht-mehr-Provinzband draußen und nun ist endgültig klar: Adolar spielen in der ersten Liga. Und zur Zeit spielen sie sogar um den Pokal!

Zu den Takten des Programmes mit den vorherigen Releases der Band zu vergleichen und in Relation zu setzen ist schier unmöglich. Zwar singt die Band noch auf Deutsch, lässt sich immer noch in die Postpunk-Ecke drücken, aber dieses Album beherbergt eine solche Intensität und Brachialität, dass sie sich deutlich von dem Bekannten hervorhebt. Hier hagelt es stellenweise Gitarrenwände, als würde es kein Morgen geben, der Gesang verliert sich im Geschrei und man erwischt sich dabei wie man selbst beim Hören in der Bahn die Faust in der Tasche ballt. Zu den Takten des Programms strotzt vor Wut und die persönlichen Texte des Sängers und Bassisten Tom Mischok geben dem durch die Musik vermittelte Stimmung quasi präzise Linernotes. Neben den wütenden Stücken finden sich auch immer wieder ruhige ausgetüftelte Parts, in denen wiederrum klar wird, dass man es bei Adolar (ob sie es nun hören wollen oder nicht) mit Musikern zu tun hat, die ihr Handwerk beherrschen und dies auch unaufdringlich immer wieder vorweisen.

Ohne die anderen Bands des schönen Labels ?Unterm Durchschnitt? in den Schatten stellen zu wollen, ist dies das wohl beste Release was je aus dem eben besagten Hause erschienen ist. Dieses Album ist Pflicht für diejenigen, die deutschen Emo und Postpunk schon längst abgeschrieben haben. Ein auditiver Bocksack für den Alltag! Groß! Maximilian Römer

AnalogFreunde (10/2011)

Wir hörn uns Platten an und schreiben etwas auf. Es muss ungefähr 3 Jahre her sein als die ersten Töne von Adolar den Weg in mein Ohr fanden. Ich war sofort begeistert und war in letzter Zeit nur noch auf das neue Album gespannt, das sie vor einigen Monaten ankündigten. Über Facebook ließen Adolar dann auch noch ihre Fans wissen, dass es eine Limited-Edition geben wird und erklärten, wie man eines dieser schönen Exemplare ergattern kann. Gesagt, getan und dann hieß es warten?

Am Erscheinungsdatum ging ich dann voller Vorfreude in den Plattenladen meines Vertrauens. In der Hoffnung mir eine Limited-Edition abholen zu können. Leider wurde ich enttäuscht, denn es wurde ?nur? die normale Version geliefert. Letztendlich ging ich mit der neuen Adolar-Scheibe und einem Spontankauf unterm Arm nach Hause und freute mich schon darauf das Teil endlich auspacken zu können und die Nadel raufzulegen.

Das Design hat mich im ersten Moment sehr überrascht und zeitgleich auch sofort überzeugt, denn nicht wie üblich sind die Texte in einem Booklet oder auf einem Beilagezettel abgedruckt, sondern direkt aufs Frontcover! Diese wurden mit den Credits und Danksagungen kombiniert. Irgendwie gefällt mir die Idee und ich musste erst recht schmunzeln als ich die Hülle umdrehte und Hinten lediglich ?unterm durchschnitt? mit einer Nummer darunter draufstand. Sehr innovativ wie ich finde.Das Vinyl der normalen Edition war wie zu erwarten schwarz aber ich war sowieso nur auf die Musik gespannt.

Schon der erste Song ist ein Statement. Adolar behalten ihren gewohnten Stil bei, haben ihn aber auch hörbar verfeinert. Eine ruhige Strophe und ein Refrain der dann ordentlich nach vorne geht und alles gestützt vom Zusammenspiel dieser unglaublichen Musiker. Jeder Ton sitzt. Und zwar genau dort wo er sein soll. So einfach lässt sich natürlich kein Adolar-Song beschreiben, denn es gibt in jedem Song kleine Fills, rhythmische Spielereien und auch immer wieder überraschende Überleitungen oder Enden. Besonders gefällt mir, dass sie sich in einigen Songs deutlich mehr Zeit lassen eine gewisse Stimmung aufkommen zu lassen und außerdem lange Instrumentalparts verwenden. Bestes Beispiel dafür ist das letzte Lied des Albums. Mit über acht Minuten ist ?Wein Ist Meine Jacke? der längste Track und hat lediglich ein paar Zeilen Text.

Die Texte reichen von genialen Weisheiten: ?Ich wünschte ich müsste keinen meiner alten Freunde jemals wiedersehen.? (Adolar: ?Die ekelhaften Pläne?), bis hin zu vertonten Dialogen oder Alltagssituationen: ?Mach den PC an, gib deinen Geheimcode ein. Es gibt heute viel zu tun. Der Schreibtisch ist voll, du musst da durch.? (Adolar: ?Schreib etwas auf?).
Zu den Takten des Programms ist ein wundervoll gelungenes Album. Der bekannte Stil wird beibehalten und um viel Unerwartetes und sehr eingängige Hooks: ?DJs dieser Welt, ich will euch leiden sehen? (Adolar: ?Ungelenk Und Einstudiert?) erweitert. Es ist einfach ein großartiges Gesamtwerk, denn wenn es keines wäre, würde ich einige Hörtipps aufschreiben. Ich möchte jedoch keinen Song auf diesem Album missen. Der ungewöhnlichste Song ist aber auf jeden Fall ?Kleinigkeiten Im Ersten Stock?, wobei ich jetzt aber nichts verraten möchte. Also, auf zum Plattenladen und lasst euch überraschen. Auf dem Berlinkonzert von Adolar konnte ich übrigens noch ein Exemplar der Limited-Edition erwerben. Adolar sind auch immer noch auf Tour und die Konzerte der Jungs sind jeden Euro wert. Simon

Stuz (10/2011)

Das Dagegensein ist eine beliebte Pose, die schon in zahllosen Punkrocksongs
durchdekliniert wurde ? aber nicht häufig geschieht dies so tre end und emotional
wie in ?Tanzenkotzen?, dem Opener des neuen Albums von Adolar. Auf ?Zu den
Takten des Programms? gibt es clevere Texte zu hören, die mehr verbergen als
preisgeben, und einem trotzdem das Gefühl geben, genau zu wissen, was gemeint
ist. Adolar spielen emotionalen Punkrock und balancieren dabei gekonnt zwischen
Eingängigkeit und Experimentierfreude. Die vier Jungs aus der sachsen-anhaltinischen Provinz erspielen sich mehr Selbstständigkeit als bisher und beschreiben die Tristesse des jugendlichen Alltags nun auch ohne Tocotronic zu zitieren. Die Themen sind zwar nicht neu, doch der Band gelingt es, ihnen eine eigene Note abzugewinnen, egal ob es um verdrossene Liebe, zwischenmenschliche Oberflächlichkeiten oder diese ganzen anderen Dinge geht, die einem den Tag versauen können. Und als besonderes Schmankerl ist mit ?Ungelenk und Einstudiert? gerade der Song des Albums, der am ehesten in die Indie-Disco passen würde, mit Verwünschungen an die DJ-Zunft gespickt. Jonas Trautner

Motor.de (10/2011)

Innovation vs. Stagnation, Reihenhaus vs. Großraumdisco - Adolar kotzen ein Hassinferno auf ihrem Zweitling.

Spätestens 2008 wurden Post-Hardcore-affine Ohren in der ganzen Republik hellhörig: "Mariocart vs. Kettcar" von Adolar war auf einem einschlägigen Sampler vertreten und überzeugte. Da brodelte eine unscharf definierte Wut, da wucherte Unzufriedenheit und es gab diese zynischen Querverweise Richtung Indieszene, die Lakritzrandbrillen-Träger selbstironisch grinsen ließen. Eine EP und einen Langspieler später schreiben wir 2011 und Adolar veröffentlichen ihr zweites Album. Was hat sich verändert? Nichts. Und alles.

"Zu den Takten des Programms" erscheint wieder auf dem überdurchschnittlichen Postcore-Label Unterm Durchschnitt. Die Jungs sind immer noch das studentische Vierergespann, welches das Video zur ersten Single in der Unibibliothek dreht. Und sie bleiben optisch ansprechend und zwar auf höchstem Niveau. Während das Booklet zu "Schwörende Seen, ihr Schicksalsjahre" gezeichnet war, erinnert das Cover heute an den minimalistischen Stil von US-Hardcore-Legenden. Daran klammern sie sich damals wie heute: Die Feinheit im Detail, gestreute Funken im kargen Minimalismus in Form von findigem Wortwitz. Einprägsame Melodien verwenden sie äußerst sparsam, gönnen uns jedoch immer wieder Parts mit spannender Klassik-Instrumentierung im Hintergrund. Die derben Bretter und ein hektischer Gesang im Wahn haben sie verstärkt.

Wieder einmal sind sie lyrisch zum Niederknien: Spitzfindigkeiten wie "Leidzins To Kill" oder die "Diktatur in Großraumdiscos" versüßen die 42 Minuten Spielzeit. Diesmal widmen sie sogar einen ganzen Song dem Wortinferno. Ihr Kölner Produzent sprach "Kleinlichkeiten im ersten Stock" im Studio ein, was nur minimal musikalisch untermalt wird. Wenn das mal nicht Tocotronic-esk ist. Manch einer mag sich ganz zurecht an die Ursprünge der Hamburger Schule erinnert fühlen. "Zu den Takten des Programms" ist eine Anklage ihrer Generation und der Gesellschaft. Radikaler als auf dem Debüt kotzen sie an die Pforten des Schicksals, spucken Gift und Galle, bleiben dabei aber nahbar sympathisch, lassen nachvollziehen und wecken im Hörer das innere Gefühl: "Ja, das kenne ich auch." Vielleicht liegt da auch der Haken: Man kennt es alles, das No Future und die zurückhaltende Aggression und so richtig innovativ klingt anders. Sie singen es selbst: "Du hast das alles schon mal gehört." Der Zugang fällt nicht immer leicht und der Stempel "Jammerpunk" liegt nahe. Adolar sitzen im Glashaus und zeigen mit dem Finger auf andere, so der Vorwurf. Aber: Die vier Jungs haben nun mal ihre Nische gefunden und richten sich darin ein. Julia Kindel

Intro.de (10/2011)

Adolar machen Wir-Sind-Gegen-Alles-Emo-Rock und hassen langweilige DJs. Ihr zweites Album »Zu den Takten des Programms« gibt genau das wieder. Die Welt werden sie mit dieser Platte wohl nicht verbessern, dafür aber CD-Sammlungen. Platten der Woche / Linus Volkmann

 

Rolling Stone (10/2011)

Die vier Leipziger sprengen mit ihren hymnischen Hardcore-Kaskaden ("Schreib Etwas Auf") und hochmelodiösen Noise-Attacken ("Leidzins To Kill") herrlich unbekümmert die Grenzen des guten Rockgeschmacks und sind dabei in jeder Sekunde reinster Diskurspop. Ein treibender, unerbittlicher Reigen.

 

Tonspion (10/2011)

Heavy Rotation. Nur ein Jahr nach "Schwörende Seen, Ihr Schicksalsjahre!" legen Adolar nach. Diesmal spielen sie "Zu den Takten des Programms", dem zweiten Album der grob als Punkrocker einzuordnenden Truppe, mit ehrlicher und brachialer Haltung. Es ist wirklich erst drei Jahre her, dass Adolar ihre erste 7? "Planet Rapidia" veröffentlicht haben. Zwischen damals und "Zu den Takten des Programms" liegen unzählige Kilometer auf Tour und ein viel beachtetes Debütalbum. Doch von Ermüdungserscheinungen will das Leipziger Quartett nichts wissen. Stillstand bedeutet Tod und Adolar rotieren lieber fleißig weiter - zwischen Punk, Indie, Emo oder Hardcore. So auch bei "Zu den Takten des Programms". Ein rohes, aggressives wie kurzweiliges Album, bei dem Adolar gewohnt viele Haken schlagen und sich abermals nicht scheuen, Pop im kleinen Großformat hinzuzuziehen. Mit dynamischer Vielschichtigkeit setzt sich das Quartett mal laut und wütend, mal ruhig und besonnen mit dem Ich und der Umwelt auseinander.  Nach wie vor mit viel Verzweiflung im (Sprech)Gesang und literweise Herzblut, wirkt das zweite Album dadurch nicht zuletzt so frisch und lebhaft, wie die erste 7?. Daniel Kottkamp

 

Plattentests.de (10/2011)

Gerne haben. Die Band Adolar müsste ihre neue Platte "Zu den Takten des Programms" in einer Spezialedition verkaufen, die nicht bloß in limitierte Auflage erhältlich ist. Für den Inhalt empfehlen wir neben dem Obligatorischen - Platte, Hülle, Gedöns - den folgenden Extraservice, in analphabetischer Reihenfolge: für Humorlose eine Palette Instant-Tüten voll Selbstironie, die irgendwie noch ins Paket passen muss; für allzu Zartbesaitete einen Crashkurs-Gutschein in wahrhaft erlesenem Musik-Geschmack; und für alle die passenden Schuhe (klobig wie ein Suppenwürfel, rosafarben, mit fünf Zentimeter hohen Absätzen und Klettverschluss), mit der man diese Platte auf der Tanzfläche seines Vertrauens richtig würdigen kann. Alles andere würde "Zu den Takten Programms" nicht gerecht werden.

Nach dem Auflegen wird "Zu den Takten des Programms" keine zwei Songs alt, da haben Adolar die erste Zunft im Sack. Da outen sie sich als die autonomen Bauchmusiker, die sie sind. Lassen ihre Sägegitarren Zickzack über Takte fahren, die bei marktgerecht umgescheitelten Bands handzahmer Emopunk geworden wären, lassen ihren Schlagzeuger einen Beat wummsen, der stramm bis vier durchzählt und fast zu geradlinig gespielt ist, um von einem Underground-Label wie Unterm Durchschnitt finanziert zu werden - und liefern augenzwinkernd Rezensenten die Bedienungsanleitung zum Song zur Platte gleich mit: "Reiß ein Paket auf, lehn Dich zurück / Hol tief Luft und dann drückst Du auf "Play" / Du hast das alles schon mal gehört." Und später dann: "Ihr hört euch Platten an und schreibt etwas auf / Schreib, schreib, etwas auf." Wenn Plattentests.de nicht längst eine inoffizielle Einlaufhymne hätte, zu der sich seine Angestellten auf ihren Knochenjob einstimmen würden - hier wäre sie.

"Schreib etwas auf" ist eine Momentaufnahme auf dieser Platte, die symptomatisch ist. Symptomatisch für eine Band namens Adolar, die sich weder Mund noch Gegensätze verbieten lässt. Oder etwa die Spielregeln von irgendwem vordiktieren: In "Tramedar" wechseln Adolar immer wieder Moll-Akkorde in eine Dur-Punknummer ein. Scheinbanale Alltagsgeschichten um eingerostete Beziehungskisten wie "Kleinlichkeiten im ersten Stock" brechen sie im späteren Verlauf dieses Albums auf eine Spoken-Word-Sondereinlage herunter. Selbst das einzige Liebeslied ihrer Platte, "Wein ist meine Jacke", setzt da ein, wo die Liebe schon lange verflogen ist. Die Bassgitarre wummert wie ein Kammerflimmern, die Frau ist längst weg.

Zudem ist "Zu den Takten des Programms" aber eben immer auch die Platte der spannenden Gegensätze: Jede Nummer enthält mindestens einen Beat, einen Refrain und eine Zeile, mit denen Adolar auch bei Bierzeltbesuchern um Mitternacht mit drei Promille punkten könnten. Bei denen vielleicht umso mehr: "Ungelenk und einstudeiert" ist nebenbei gehört astrein gespielter Postpunk mit kräftigen Luftgitarren-Riffs, wie manch Party-DJ sie gerne haben würde - wären da nicht die Bosheiten, die auf genau sie abzielen: "DJs dieser Welt, ich will euch leiden sehen / Drei Minuten pro Gefühl / ... / Das ist keine Leidenschaft / Nur sozial-vertikaler Chauvinismus / Diktatur in Großraumdiscos." Ein Knistern aus Punk, Post, Humor und versteckten Bosheiten - am Vorabend vom Meisterwerk. Sven Cadario

 

Ox Fanzine (10/2011)

 

"Du tanzt immer noch zu den Takten des Programms" - ja, was bleibt einem denn auch für eine Wahl? Der Zweitling von Adolar fängt auf Anieb ein und nein, da kommt man nicht mehr los. "Zu Den Takten Des Programms" ist so emotional und berührt so tief, dass man eigentlich rein gar nichts nebenbei machen kann, und dann wieder so tanzbar, dass der Wunsch erwacht, dass diese Platte einfach bitte nicht endet. Dass hinter Adolar auch schlicht gute Musiker stecken, wusste man ja auch schon nach "Schwörende Seen, Ihr Schicksalsjahre!" und jene Platte hat auch gezeigt, dass man es mit einer Band zu tun hat, die irgendwie anders ist. Es rumort, groovet, poltert, klagt an, wird nachdenklich und lässt hin und wieder auch ein Augenzwinkern durchblicken. Dabei wird es aber nie schwierig oder unzugänglich. Was hat sich verändert? Die für Adolar typischen Breaks sind noch da, aber düsterer ist es geworden, wie sich an dem namensgebenden Song Zu Den Takten Des Programms zeigt und auch bei Kleinlichkeiten Im Ersten Stock. Der erste Song Tanzenkotzen ist dagegen schlichtweg ein Hit, ebenso wie Die Ekelhaften Pläne. Der letzte Song Wein Ist Meine Jacke macht mit dem offen gelegten Gefühlsleben endgültig völlig fertig. Ein großartiges und gewaltiges Ende für eine Wahnsinnsplatte, die so wichtig ist, dass man sie gern jedem aufdrängen möchte. 10 Punkte = Ein (zukünftiger) Klassiker. Bianca Hartmann

 

Westzeit (10/2011)

Tom Mischok hat einen offenen Brief an den Rezensenten geschrieben. "Schreib etwas auf" lautet seine Überschrift, es ist auch der Titel des zweiten Songs von Adolars zweitem Album "Zu den Takten des Programms". Ob Vorwurf oder Befehl: den Gefallen tun wir dem Sänger und Texter hiermit gerne, verzichten auf schöne Zitate und Interpretationen und empfehlen Dir, lieber Leser, lediglich: Wenn Du Hardcore, Emo im ursprünglichen Sinne des Wortes, juvenilen Sturm und Drang, Gesellschaftspessimismus und eine Koketterie zum Pop und Pomp magst, dann höre Dir Adolars zwei Handvoll Songs an. Sie wollen das so. Fabian Soethof

 

Uncle Sallys (10/2011)

Ganz ähnlich dem gleichnamigen ungarischen Kult-Comic-Helden, haben es Adolar aus Leipzig geschafft, sich mit Genie und Witz in die Spitzengruppe ihres Genres zu spielen. Die Schnittmenge des letztjährigen Debüts aus Indie, Punk und vertracktem Screamo, wie er Anfang der vorigen Dekade sehr beliebt war, fand auf Anhieb Freunde. Die Meister der Vertonung von Alltagsdialogen legen nun direkt nach. Ein paar Kanten sind geschliffen worden, dafür gibt es die erwartbar große Orchestrierung mit Bläsern und Streichern. Ob sich da jetzt wirklich die oft gehörten Biffy Clyro-Vergleiche offenbaren, bei "Zum Geburtstag Alles Erdenkliche" Jimmy Eat World durchschimmern oder wie beim epischen Schlussstück "Wein ist meine Jacke" eher die Deftones Pate gestanden haben, ist bei der Hingabe und Qualität letztlich egal. Wie heißt es im Musik-Journo-Bashing des zweiten Songs "Schreib Etwas Auf" so schön: "Ihr hört euch Platten an und schreibt etwas auf - jetzt mach schon!" Bitte sehr: Gut gemacht Adolar, Bienchen und setzen. - Die 10 Gebote. Thomas Müller

 

In Your Face (10/2011)

ADOLAR und ich liegen einfach nicht auf einer Wellenlänge. Schon beim Debütalbum ?Schwörende Seen, Ihr Schicksalsjahre? war das so. Ich weiß nie so richtig, worauf die Band eigentlich hinaus will, ich weiß trotz deutscher Texte selten, von was die Songs der Band aus Leipzig eigentlich handeln und ich weiß vor allem nie genau, wann ADOLAR ernst sind und wann das Quartett in Satire und Ironie ausbricht. Ich verstehe den Humor von ADOLAR einfach nicht, da ich selbst als Akademiker anscheinend nicht so richtig zur Zielgruppe der Band gehöre, die letztendlich aus Visions-Lesern und Menschen, die Kleidungsstücke ?ironisch? tragen beziehungsweise wissen, wie man ?Café Latte? schreibt (ich musste googlen), besteht. Vielleicht ist die Message, die ADOLAR vermitteln wollen, mir einfach zu hoch. Und das sage ich als ehemaliger Germanistik-Student, der wahrscheinlich mehr Gedichte interpretieren musste als 98% der übrigen Bevölkerung.

Die Verwirrung, die ADOLAR in mir hervorrufen, zeigt sich allerdings nicht nur in den sehr kryptischen, intellektuellen Texten der Band, sondern auch in der Musik selbst. Die Songstrukturen der zehn Tracks auf ?Zu den Takten des Programms? sind alles andere als konventionell, dabei aber doch irgendwo poppig und wenig aggressiv und stellen für mich ziemlich genau den Punkt dar, an dem sich ?ambitioniert? und ?anstrengend? treffen. Auf dem Vorgängeralbum war für mich zumindest noch der ein oder andere Hardcore-Moment mit dabei, der mich bei der Stange halten konnte, im Falle von ?Zu den Takten des Programms? orientiert sich die Band allerdings weiter in Richtung Avantgarde-Pop mit einem Schuss Post-Rock und weg vom Drive, der auf dem Vorgänger noch teilweise vorhanden war.

Klar muss man ADOLAR Eigenständigkeit attestieren, da man den bandeigenen Stil irgendwo zwischen TOCOTRONIC, ARCTIC MONKEYS, CURSIVE und BRAND NEW in dieser Ausprägung selten gehört hat. Ebenfalls muss man klar sagen, dass ?Zu den Takten des Programms? ein gewisses Maß an Abwechslung mitbringt. Dummerweise muss ich allerdings auch anmerken, dass mir ADOLAR mit ihrem neuen Longplayer einfach nicht viel geben können und vor allem auf emotionaler Ebene relativ wirkungslos an mir vorbeiziehen, obwohl ?Zu den Takten des Programms? im Beipackzettel als ?Wutalbum? bezeichnet wird, auf dem die Band angeblich biographische Rückschläge verarbeitet.

Tracks wie ?Die ekelhaften Pläne?, ?Schreib etwas auf? oder ?Zum Geburtstag alles Erdenkliche? gehen zwar in gewissem Maße in den Kopf und in die Beine, wirklich mitreißen können aber auch diese Songs nicht, obwohl sie Totalausfälle wie das Spoken Word-Interlude ?Kleinlichkeiten im ersten Stock? (zu seltsam, um ernst gemeint zu sein, zu unlustig, um komödiantisch zu sein) oder das unendlich tranige ?Wein ist meine Jacke? noch weit überragen. Die übrigen Songs schwanken dann ebenfalls zwischen den Polen ?ganz ok? und ?vollkommen belanglos?, so dass ADOLAR außer Originalität und technischem Können wenig auf der Haben-Seite vorweisen können.

Mir persönlich fehlen auf ?Zu den Takten des Programms? einfach energetische Songs, die wirklich ins Ohr und ins Herz gehen und ich muss leider sagen, dass mir ADOLAR auf ihrem zweiten Longplayer weniger gut gefallen als seinerzeit auf ihrem Debüt. Die zehn Kompositionen des Albums berühren mich eigentlich in keiner Sekunde, ziehen teilweise vollkommen an mir vorbei und vermögen es nur sehr selten, wirkliche Akzente zu setzen. Vielleicht liegt meine negative Einschätzung von ?Zu den Takten des Programms? nun auch daran, dass ich jemand bin, der mit Punkrock und Metal und eben nicht mit Avantgarde-, Experimental- oder Popmusik aufgewachsen ist. Vielleicht hängt mein Urteil auch damit zusammen, dass ich die Ambitionen von ADOLAR einfach nicht durchschaue und zu dämlich für die Musik der fünf Leipziger bin. Vielleicht, aber nur ganz vielleicht, liegt meine Bewertung aber auch darin begründet, dass ?Zu den Takten des Programms? wirklich ein relativ langweiliges, blutleeres Release geworden ist. Werner

 

Broken Silence (09/2011)

Mit ihrem langerwarteten zweiten Album gelingt den Hoffnungsträgern ADOLAR auf UNTERM DURCHSCHNITT ein Befreiungsschlag: Die hochmelodischen, auf perfekt austarierte Dynamik- und Rhythmuswechsel aufbauenden und Eingängigkeit gegen Spannungsaufbau ausspielenden Songs wirken auf "Zu Den Takten Des Programms" noch selbstverständlicher und mitreißender. Gitarren, die Punk noch nicht vergessen haben und genauso ins Kreuz treten können wie ästhetisch tänzeln. Eine unglaublich präsente und dringliche Stimme, die eins mit den perfekt ausbalancierten Texten ist. Ein Bass, der alles verbindet. Breitwandiger, perfekter Sound, der durch Streicher und Bläser an den genau richtigen Stellen veredelt wird. Sollte deutschsprachige Gitarrenmusik gerade eine Rettung brauchen: hier ist sie. Jan Apel

 

Flight 13 (09/2011)

Nach dem hochgelobten Debüt schaffen die Leibziger auch mit ihrem Zweitling weiter ihr Niveau zu halten. Unglaublich abwechslungsreich, vielschichtig und experimentierfreudig, treffen hier melodische Indieparts álá Tomte auf wütenden Post-Hardcore und harte Punkgitarren álá Escapado und geben damit der fast schon tot geglaubten Hamburger Schule wieder Hoffnung. Auch textlich bleibts weiter anspruchsvoll, erzählt von Dingen des Alltags, eindringlich, emotional und nah am Leben!

 

Radio Q (09/2011)

Katharina Lange sagt: "Schonungslos, ehrlich und dabei poetisch. Trotzdem schwierig und erst nach mehrmaligen hören tritt das Gefühl von "das ist gar nicht mal so schlecht" auf."

 

Plastic Bomb (09/2011)

Ich dachte die Hamburger Schule wäre längst geschlossen worden. Wegen Überfüllung und wegen ihres Nervfaktors. Und dann kommen ADOLAR mit ihren schaurigen Jammerlappenpunk und reissen längst verheilte Wunden wieder auf. Ich hasse diesen charakterlosen, dünnen Gesang. Dieses Stimmchen, welches wie ein frisch geschlüpftes Küken danach ruft in Watte gepackt und verhätschelt zu werden. Schaut her wie zerbrechlich und schön ich bin. Vielleicht schaffen es ADOLAR mit ihrem Indie-Sound auf Studi-Festen, Abi-Parties und in den Kunsthallen dieses Landes mit all ihren pseudo-wichtigen Klugscheissern Fuß zu fassen. Es sei ihnen gegönnt, denn dann laufen wir uns wenigstens nie über den Weg. Auf der LP befinden sich 10 überwiegend luschige Songs zwischen Tränenvase und Kunstakademie. Erst das sehr leidenschaftliche, intensive Inferno am Ende der Platte vermag es das Ruder etwas herumzureissen. Zu spät. Micha

 

 


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